Brotfabrik 21:00

Moriarty

Im Film hat es funktioniert: „Ein Amerikaner in Paris“. Im wahren Leben ist das mit der französisch-amerikanischen Freundschaft jenseits der Familien Obama und Sarkozy nicht immer so einfach. Amerikaner, so das Klischee, halten Franzosen für arrogante Schnösel, Franzosen im Gegenzug Amerikaner für kulturlose Trampel. Mit Moriarty kommt nun eine Band, die die friedliche wie kreative Koexistenz verkörpert, ihre Wurzeln dies- und jenseits des Atlantiks hat und musikalisch the best of both worlds (und mehr) vereint. Stellen Sie sich einmal vor, Mississippi und Seine vereinigten sich zu einem einzigen großen Strom. Tatsächlich treffen bei Moriarty Blues und Alternative Country auf Chanson und Kabarett, aber das genügt den Musikern nicht. Sie sind Reisende, also gilt es für sie auch immer, sich auf anderen Kontinenten, zum Beispiel Afrika, umzuschauen und ihrem rockigen, transatlantischen Folk damit neue Impulse zu geben. Alle auf der Bühne sind Typen, pflegen einen eigenen Stil, ob in Klamotte oder Frisur. Und wichtiger noch: auch als Instrumentalisten sind sie speziell und was sie da zu sechst, mit Gesang, Gitarren, Dobro, Kontrabass, Schlagzeug und Mundharmonika, auf die Bühne zaubern ist einzigartig, so und in dieser Kombination noch nicht zu hören gewesen. Bedenkt man ihre Biografie, mag man in den eher Blues und Country gefärbten Titeln die Weite Amerikas heraus hören und schnell auf die Idee kommen, sie zur bestmöglichsten Verkörperung von Wim Wenders Filmteil „Paris, Texas“ zu erklären. In Moriartys Musik steckt mehr als das. Und so wirklich frankophil ist sie auch nicht, eher global angelegt. Denn ihre Chanson-Variante könnte auch im Berlin der Dreißigerjahre zu Hause gewesen sein. Und ihr Folk schließlich hat auch östliche Farben.
15 € vvk 18 € ak